Ich lebe meine Vision

Dem Regen schien ich entflohen zu sein, denn es drohten zwar dunkle Wolken am Himmel doch blieben sie fern oder zogen vorbei.

In Bewegung bleiben war wohl die Lösung – also ging es nach Blenheim weiter südlich an der Ostküste Richtung Kaikoura. Bei allen Neuseelandkennern leuchten bei dem Stadtnamen gleich die Augen – Wale… Ja, diese Tiefseewunder gibt es in Kaikoura als absolute Touristenattraktion zu bestaunen. In 2007 habe ich mich erfolgreich davor gedrück, doch nun wollte ich auch dieses Erlebnis noch im alten Jahr als Erinnerung abspeichern.

Natürlich sollte das alte Jahr mit Camping beendet werden und das neue so gestartet werden – aufgrund des Neujahrsfests und grundsätzlicher Urlaubszeit gab es nicht mehr viel Auswahl an Plätzen und so landete ich idyllisch mitten in der Stadt an einem Creek.

Anstrengend waren dann leider die sanitären Einrichtungen, die mich dazu veranlasst haben, lieber auf die öffentlichen Toiletten auszuweichen. Selbst eine Grundsauberkeit war nicht gegeben.

In Kaikoura hatte ich zwei Tage, um alles zu inspizieren – dazu gehörte ein kleiner Stadtrundgang mit dem Durchstöbern sämtlicher Souvenier-Läden. Und ja, ich war im Urlaub, also wurde dann auch etwas gekauft. Aber nur ganz bisschen 🙂

Abends hatte ich dann die Gelegenheit, einem ehemaligen Muscheltaucher zuzuschauen, wie er frisch gesammelte Paua zum Essen vorbereitete. Da man schnell ins Gespräch kommt wenn man außerhalb von Sturkopf-OWL unterwegs ist, hat er mir dann locker zwei der selbst gesuchten Paua geschenkt plus einer Erzählung über seinen alten Beruf und seine Reise nach Deutschland. Echt ein super netter Kerl und eine tolle Erfahrung mit dem vorzüglichen Essen.

Am nächsten Tag bin ich dann ganz früh raus, um einen kleinen Ausflug in die nahe gelegene Lavendelfarm zu machen. Das war nicht nur für die Augen ein Genuss, ebenfalls konnte ich so die Grauselduschen des Campingplatzes schnell vergessen.

Anschließend bereitete ich mich am Strand auf das große Seeabenteuer, das Wale-Watching mit ausreichend Sealegs (Tabletten gegen die Seekrankheit) vor. Bereits vor dem Start des Erlebnisses konnte ich ganz ohne Geld zu bezahlen und vollkommen ohne Übelkeit am Strand einen Schwarm von Hector-Delfinen beobachten, die bis zu ca. 20 m an mich heran schwammen. Das war absolut beeindruckend.

Und dann ging es los auf hohe See. Wale leben grundsätzlich dort, wo sie einerseits ausreichend Futter finden und andererseits ein mindestens 500 m tiefer Seegraben zum Abtauchen vorhanden ist – das alles gibt es ausreichend und das ganze Jahr lang in Kaikoura.

Das Unternehmen der Maori (sprich: Mauri – NIEMALS MaOri) hat extra für das Wale-Watching ein 35 Knoten Seekatamaran bauen lassen, der mit ungezügelter Geschwindigkeit auf den Wellen losritt. Da Vorbeugen besser ist, als auf die Schuhe zu kotzen, habe ich dann fleißig versucht, am Horizont die Bergkette zu fokussieren. Damit sollte zumindest ansatzweise der Gleichgewichtssinn zur Ruhe gebracht werden. Leider ging dann bereits nach kürzester Zeit bei mir trotzdem nicht mehr viel. Und weil dann auch noch zu allem Überdruss kein Wale sofort verfügbar war, mussten wir noch etwas Echoloten abwarten auf hoher See, sowie leichtes Rumschippern zu einem eventuell aufgetauchten Exemplar. Dabei ging es dann nicht nur vorwärts rauf und runter, sondern auch mächtig seitwärts hin und her.

Und dann war er da.

Beeindruckende 20 m lang, prustend und zum Anfassen nahe. Ein absolut unglaublicher Moment…den ich nur kurz ertragen konnte, um anschließend gleich weiter zu sterben (wenn man seekrank ist, dann geht wirklich gar nix mehr).

Der Augenblick des Abtauchens des Wals ließ dann auch nicht lange auf sich warten, das Spektakel war vorbei und die Seekrankheit fing auf dem Rückweg dann erst richtig an.

Bilanz: 5 Seekranke, unzählig gefüllte weiße Tüten (man kennt sie aus den Flugzeugen) und unglaubliche Bilder eines Wals in freier Natur.

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